Straßenkinderprojekt
11
Dez

10 Jahre Strassenkinderprojekt, Teil 2

Happy Birthday!

Das Straßenkinderprojekt feiert und wir waren live dabei!

Barbara ist mittlerweile schon in Nairobi (Kenia), aber den zweiten Teil ihres Erlebnisberichts  von der Jubiläumsfeier im Straßenkinderprojekt in Kampala möchten wir euch trotzdem nicht vorenthalten.

Samstag, 29.10. 2016, 11:50 Uhr:

Moses manövriert sein angeschlagenes Auto über die kaputten und mit Löchern gespickten Pisten im Kisenyi Slum. Man merkt direkt, wie groß der Respekt der Bewohner ihm gegenüber ist. Als Pastor und als Ehemann der Projektleiterin Rhona hat er einen sehr hohen Stellenwert in dieser Gemeinde. Alle an mir vorbeihuschenden Personen sind sehr freundlich und aufgeschlossen, kennen keine Berührungsängste und begrüßen mich mit Handschlägen und High-Five Gesten.

Kisenyi Slum, KampalaDer Weg zur Kirche ist beschwerlich. Mehr als beschwerlich. Schwindlige Holzbretter, die auch schon bessere Tage hatten, dienen als Brücke über tiefe Gräben, in denen grau-grünes, stinkendes Gewässer fließt. Bei jedem Schritt muss man aufpassen, dass man nicht im nächsten Loch versinkt. Geschicklich- und Wendigkeit sind von Vorteil. Manchmal verlaufen die einzig begehbaren Wege so eng an den kleinen Hütten, dass man kaum alleine auf dem Pfad Platz hat und das Gefühl hat, gleich in der Pfütze zu landen.

Die Feierlichkeiten (sprich: die Messe) haben schon begonnen als wir in die kleine, von einem Plastikdach überzogene und übervolle Kirche eintreten. Rhona ist in ihrem Element auf der Bühne und ehe ich es mich versehe, bekomme ich dort einen Ehrenplatz zugewiesen. Einen besseren Überblick über das Geschehen gibt es nicht. Die gesamte Zeremonie ist in Luganda, eine SpracheStraßenkinderprojekt, bei der ich kein einziges Wort auch nur ansatzweise verstehe; ich bin zu 100% auf Moses Übersetzungskünste angewiesen. Dieser sitzt neben mir und gibt sein Bestes! Bei dem von Rhona vorgegebenen Tempo, der überlauten Musik, einem Mischpult, welches das eine oder andere Mal verzückte Töne von sich gibt und einem Raum voller Rauch aus der Küche, wo auf Kohlen das Mittagessen zubereitet wird, ist so ein Übersetzungsjob nicht gerade der Leichteste. Moses hatte immer dann eine Verschnaufpause, wenn ich am fotografieren oder auf der Bühne eine Performance war. Langweilig wird es bei solchen Events soundso nie, es gibt immer viel zu sehen und zu staunen.

Abgesehen von der Powerpoint-Präsentation, die auf ein an der Wand befestigtes weißes Spanntuch projiziert wurde und die zehnjährige Geschichte des Projekts erzählte, gaben Theatergruppen mit Kindern, Chöre, Tänzer und Sänger ihre Talente zum Besten. Bei einem solchen Rückblick darf auch unser Dr. Clemens nicht fehlen, der von Rhona ganz besonders hervorgehoben wird.

 

14:30 Uhr: Lunch time!

Die größte Überraschung war wohl für alle, dass Rhonas Cousine Robinah extra aus Deutschland eingeflogen ist, um bei der Feier ihres Projekts live dabei zu sein.Straßenkinderprojekt Die Gelegenheit kann man sich natürlich nicht entgehen lassen und so quatschen wir bei Matooke, Reis, Fleisch und Bohnensauce wortwörtlich über Gott und die Welt. Das Essen schmeckte super, leider war meine Portion so groß, dass ich sie unmöglich aufessen konnte. Moses meint nur: „Kein Problem, das geben wir einem Kind, das freut sich darüber. Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben.“ Und schwupps, war der Plastikteller schon in den Händen eines kleinen Mädchens.

Der zweite Teil der Zeremonie befasst sich mit den Erfolgsgeschichten, von denen es doch einige zu erzählen gibt. Dazu waren alle Ehemaligen, die den Sprung von der Straße in ein geregeltes Leben geschafft haben, eingeladen. Die Power-Point Präsentation zeigt Fotos von ihnen, als sie gerade ins Heim kamen. Das Lachen im Publikum ist groß und wird noch tobender, als sich diese Kinder aus der Menge erheben. In 10 Jahren tut sich halt viel. Buben werden zu Männern und Mädchen werden zu Frauen. Manch einer von diesen ehemaligen Straßenkindern trägt seine persönliche Geschichte vor. Sehr emotionsgeladen sind diese, der eine und andere kann die Tränen nicht zurückhaltenStraßenkinderprojektStraßenkinderprojekt.

Nach gemeinsamen Gebeten mit Rhona und Robinah kommen noch „unsere Schulkids“ zu mir, es gibt ein gemeinsames Gruppenfoto, es wird gelacht, gequatscht und beschlossen, dass man sich in sieben Tagen wieder sieht. Was für ein netter Abschluss von einem so aufregenden Tag.

 

18:30Straßenkinderprojekt Uhr: Aufbruchstimmung

Hastig werden sämtliche Materialien zusammen gepackt, Kartons transportiert, Mischpult abgebaut. Wenn alle zusammen helfen, geht sowas schnell! Ab zum Auto, 10 Leute gehen immer rein. Mit vielen Bildern und Eindrücken im Kopf und Dreck auf meiner weißen Haut, genieße ich die Fahrt durch die geschäftige Großstadt Richtung Unterkunft in Kabalagala. What a wonderful day!

 

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