Erfahrungsbericht
23
Sep

Yvonne & Marcus im Home of Good Hope

Ein Besuch, der ein Leben lang in Erinnerung bleibt

Meistens werden ja die unvorhersehbaren Dinge zu den tollsten Erfahrungen im Leben. Und genau mit so einer Erfahrung hat unser Urlaub begonnen. Während wir den Traum, Namibia zu bereisen, planten, ging die Information über unsere Reiseplanung seine ganz eigenen Wege. Unser gemeinsamer Freund Stefan erzählte seiner Schwester Andy davon. Vermutlich nicht ganz ohne Hintergedanken, denn sie und ihr Verein Friends 4 Friends e.V. unterstützt im Township Katutura bei Windhoek ein Kinderprojekt.

In kurzer Zeit hatten wir – auch dank unserer Freunde – die Möglichkeit ein paar ausrangierte Handys zu organisieren und ein bisschen Spielzeug. Die Auswahl dabei lief nach dem Prinzip „ist es klein, ist es leicht, können wir es noch reinquetschen“ ab. Der Entschluss etwas weniger Kleidung, dafür mehr Spielzeug einzupacken und den eigentlichen Reiseplan etwas abzuändern war schnell gefasst. Denn langsam wurden wir neugierig. Wir wollten nicht nur eine „anonyme“ Übergabe machen, sondern das Projekt und die Kids vor Ort kennenlernen.

Mit einem Namen, einer Telefonnummer und einem Treffpunkt ausgestattet, sind wir dann Richtung Afrika gestartet. Schon am nächsten Morgen trafen wir auf Monica, die uns am Hotel abgeholt hat. Pünktlich auf die Minute begrüßte sie uns mit einem großen Lächeln und einer herzlichen Umarmung: Welcome to Namibia!!! Gemeinsam sind wir dann noch kurz im Supermarkt vorbeigefahren, um Kekse für die Kinder zu besorgen.

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Der nächste Stop war in Penduka. Auf dem Gelände, traumhaft gelegen direkt am See, befinden sich verschiedene Hütten, in denen Kunsthandwerk produziert wird. Unter anderem gibt es eine Küche, in dieser werden die Gerichte für die Kinder im „Home of Good Hope“ zubereitet. Hier durften wir Gregory, Monicas Sohn, und Marlene über die Schulter schauen. Die beiden waren nämlich schon eifrig am brutzeln. In riesigen Töpfen wurde aus Bergen von Nudeln das Essen für 1.000 Kids vorbereitet. Dazu gab es eine Soße aus braunen Bohnen, viel unterschiedliches Gemüse, Fleisch und Milch. Jetzt konnten wir unsere Vorfreude kaum noch zurückhalten und machten uns endlich auf in Richtung „Home of Good Hope“.

Wir bogen in die Zielstraße ein und schon kamen uns eine Gruppe kleine, noch kleinere und ganz kleine Kinder entgegengerannt. Alle strahlten über das ganze Gesicht. Natürlich waren das nicht tausend Kinder, die kommen schließlich nicht alle gleichzeitig in die kleine Wellblechhütte. Wie wir später erfahren haben, kommen zu dieser Uhrzeit die Klein- und Vorschulkinder. Die etwas größeren Kids dann zur Mittagszeit. Unsere Erfahrung im familiären Umfeld hat uns gelehrt, Mitbringsel gut festzuhalten. Umso erstaunlicher war, dass uns die Kinder die Tür vom Auto öffneten und unsere Taschen in die Räume brachten. Alle waren hilfsbereit und keines der Kinder hat versucht, sich was zu nehmen. Was völlig nachvollziehbar gewesen wäre, denn wer wird nicht von der Versuchung gezwickt, wenn man eine Kiste Kekse transportieren soll oder aus einer bunten Tasche ein Hüpfseil herausspickt.

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Dann wurde das aus Penduka angelieferte Essen ausgegeben. Auch jetzt fiel wieder auf, wie ordentlich, brav und organisiert alles abläuft. Bis auf die letzte Nudel und die kleinste Bohne wurde alles aufgegessen und während die Kleinen ihre Teller zum Spülen nach draußen brachten, zeigten sie uns im Vorbeilaufen stolz ihre leeren Teller.

Für uns war es nun Zeit zu gehen. Mit schwerem Herzen mussten wir uns verabschieden. Jeder durfte nochmal auf den Arm, an den Haaren spielen, ein Foto machen. Ach ja, fotografiert werden mögen die Kinder übrigens unglaublich gerne. Danach auf das Display schauen und sich selbst bewundern. Dann nochmal in Pose werfen und wieder von vorne. Die Freundinnen und Freunde werden dazu geholt und es wird wieder posiert.

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Kaum ausgestiegen waren wir sofort von den Kleinsten belagert. Sie sind an uns hochgekrabbelt, wollten schmusen, getragen werden, ein paar Brocken Englisch ausprobieren. Sie zogen uns in die Wellblechhütte hinein, um uns stolz ihren in handgemalten Kreidebuchstaben gemalten Willkommensgruß zu zeigen. „Welcome Marcus and Yvonne“ stand da auf der Tafel. Unsere Herzen waren im Sturm erobert. Scheinbar aus dem Nichts reihten sich alle in einer ordentlichen Schlange auf: Ab zum Hände waschen! Für viele der Kinder wird das Essen die einzige Mahlzeit am Tag bleiben. Für mich immer noch kaum zu fassen, wenn ich mir vorstelle, wie klein die Kinder teilweise sind und selbstständig jeden Tag an diesen Ort laufen, um sich „selbst zu versorgen“. Vor der Essensausgabe wurde gebetet und gesungen. Und wenn ich singen schreibe, dann meine ich riesige Kulleraugen, wildes Winken mit den Armen und Beinen, stampfen, wackeln, hüpfen, klatschen, jedes Körperteil in Bewegung und singen und beten mit unglaublicher Leidenschaft.

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Dieser eindrucksvolle Vormittag im „Home of Good Hope“ war eine Erfahrung, die uns ganz sicher unser Leben lang begleiten wird. Monica ist die perfekte „Mutter“, die Praktikantinnen und alle anderen helfenden Hände waren unglaublich freundlich und zauberhaft mit jedem einzelnen Kind, aber auch mit uns. Wer die Möglichkeit hat, diese Einrichtung zu besuchen, der sollte das tun. Wer diese Möglichkeit nicht hat, könnte aber vielleicht den einen oder anderen Euro spenden.

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