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Apr

Die Famulatur der etwas anderen Art – Teil IV

Alle zwei Wochen veröffentlichen wir Teile des Interviews mit Seyyid, das wir mit ihm nach seiner Famulatur in Kikwit gemacht haben. Es gibt Einblick in eine andere Welt! Hier nun also der vierte Teil... viel Spaß beim Lesen!

15. Und dein Alltag in der Klinik… Gab es sprachliche Barrieren? Wie war die Verständigung?

Im Kongo gibt es vier Umgangssprachen, die je nach Region dominieren: Lingala, Kikongo, Tshiluba und Kiswahili. In der Region Kikwit ist Kikongo die vorherrschende Sprache.

Französisch wird in der Schule gelehrt. In den Städten wird es auch zuhause gesprochen und ist die Verkehrssprache. Aber vor allem im ländlichen Raum hat ein großer Teil der Bevölkerung keinen Zugang zu Bildung und in der Klinik Kikwit IV beispielweise sprach ein großer Teil, etwa 60 bis 70 % der Patienten nur die Muttersprache. Hier war die Verständigung schwierig. Aber die Schwestern dort brachten mir netterweise in kurzer Zeit wichtige Begriffe und Phrasen in Kikongo bei, um rudimentäre Anamnesen durchführen und wichtige Symptome schnell erfragen zu können, auch wenn diese für die Therapie meist nochmal bestätigt wurden.

Famulatur in Kikwit. Dutzende Operationen gehören zum Alltag.

16. Wie viele Patienten hast du etwa behandelt?

Ich würde nicht sagen, dass ich Patienten behandelt habe. Ich habe dabei geholfen. Es war ja eine Famulatur und ähnlich wie hier, war ich auch dort eher observierend und aushelfend tätig. Ich legte gelegentlich Infusionen und führte vor allem körperliche Untersuchungen durch und unterstützte so den Arzt bei der Anamnese. Außerdem assistierte ich etwa bei einem Dutzend Operationen und durfte auch einige Male auf der Geburtsstation helfen. Ich könnte jetzt aber nicht sagen, wie viele Patienten ich gesehen habe. Das wäre nur eine sehr grobe Schätzung.

17. Wie viele davon waren Kinder?

Ich begann meinen Tagesablauf immer in der pädiatrischen Ambulanz, da diese für mich am lehrreichsten war. Täglich werden dort ungefähr zwanzig Kinder behandelt. Das hängt aber auch vom Wochentag ab. Zu Beginn der Woche erscheinen weit mehr, da die Eltern aufgrund der Lohnstruktur zum Ende der Woche hin wohl kein Geld mehr haben, um die Behandlung zu bezahlen.

18. Was war dein schönstes bzw. dein traurigstes Erlebnis?

Das intensivste Erlebnis war die Trauer in den Augen der Eltern, die die Behandlung ihrer anämischen, malariakranken Tochter nicht bezahlen konnten.

 

 

...to be continued...

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