Verein Friends 4 Friends Regensburg-Afrika
19
Feb

Die Famulatur der etwas anderen Art – Teil I

Im November 2014 erhielten wir eine Nachricht von einem gewissen Seyyid, Medizinstudent aus Marburg, der zu Vincents Projekt in den Kongo reisen wollte, um dort seine Famulatur zu machen. Dieser junge Mann war uns natürlich sofort sympathisch, was kann auch einem Verein besseres passieren als einen Arzt für ein solches Projekt zu gewinnen. Emails, Anrufe, noch mehr Emails und wenige Monate später - im Sommer letzten Jahres – hieß es dann: Goodbye Deutschland, hello Kongo!

Wichtig war uns natürlich, Informationen aus erster Hand von den Entwicklung vor Ort zu bekommen, aber auch Seyyids Eindrücke an unsere Leser weiterzugeben. Aus diesem Grund gibt es ab sofort in mehreren Abschnitten Auszüge aus dem Interview, welches wir kürzlich mit ihm geführt haben.

 Nochmal ein Dankeschön an dieser Stelle, dass du dich entschlossen hattest, dieses Projekt auf diese ganz besondere Art und Weise zu unterstützen!

1. Was war dein Beweggrund nach Afrika zu gehen?

Als der klinische Abschnitt meines Medizinstudiums begann, machte ich meine erste Famulatur im Universitätsspital von Zürich. Meine Erfahrungen in der Schweiz waren einfach berauschend. Dort wird Spitzenmedizin vom Feinsten praktiziert, und auch die Lehre ist vorbildlich. Man beginnt allerdings auch, sich zu fragen, wie es in Ländern aussieht, die nicht in der Lage sind, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung auf diesem Niveau bereitzustellen.

Wie ist die Situation in den Kliniken dort? Wie ist die gesundheitliche Situation der Menschen, wie die Arbeitsbedingungen der Mediziner? Ich wollte sehen, wie Ärzte und Krankenpflegepersonal unter für uns unvorstellbaren Bedingungen arbeiten können, wie das überhaupt funktionieren kann. Und genau davon wollte ich lernen.

Zum anderen ist es immer eine bereichernde Erfahrung, in eine fremde Kultur einzutauchen: Man erkennt dadurch mehr Facetten der Menschen, sich selbst eingeschlossen, und bekommt ganz andere und neue Sichtweisen.

Seyyids Famultur im Kongo.
Kinder schwimmen in einem Nebenfluss des Kongo Rivers.

2. Afrika ist ein großer Kontinent. Warum gerade der Kongo?

Nun, die meisten afrikanischen Länder haben eine interessante, weil oft leider auch tragische Geschichte. Doch es war für mich nicht zwingend, nach Afrika und insbesondere in den Kongo zu gehen. Allerdings begann meine „Beziehung“ zum Kongo schon früh. In meiner Kindheit faszinierten mich die Berichte über die Kongo- Kriege. Die Menschen in dieser fremden Umgebung hatten für mich etwas Geheimnisvolles an sich, das mich nie mehr ganz losließ. Als ich nun im letzten Jahr begann, mich zu informieren und einen Teil der spärlichen Literatur zu lesen, die es über den Kongo gibt, so flammte diese alte Leidenschaft wieder auf und die Sache war beschlossen. Auch jetzt, nachdem ich dort war, fällt es mir schwer, das kongolesische Lebensgefühl in Worte zu fassen. 

3. Wie hast du dich im Kongo zurecht gefunden?

Man findet sich gut zurecht, die meisten Menschen sind über die Maßen hilfsbereit. Da mein Französisch aus der Schulzeit anfangs noch ziemlich schlecht war, lagen die Schwierigkeiten bei der Ankunft wohl eher an mir als an meiner Umgebung… Das besserte sich im Verlauf deutlich. Im Nachhinein kann ich aber auch sagen, dass es große Unterschiede gibt zwischen den verschiedenen Regionen und wie man die Menschen dort jeweils einschätzen kann.

Es wurde für mich leichter, mich zurecht zu finden, als ich in Kikwit ankam. In Kinshasa war es wesentlich schwieriger. Kinshasa ist ja eine riesige Metropole, mit 10 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Afrikas- und die Dunkelziffer beträgt rund das Doppelte, also 20 Millionen- und steht in keinem Fall stellvertretend für den Rest des Landes. In der Hauptstadt ist es auf jeden Fall empfehlenswert, im Voraus mit Einheimischen Kontakt zu haben, wenn man das erste Mal hinfährt, nicht zuletzt wegen der Kriminalitätsraten. Glücklicherweise habe ich in dieser Hinsicht keine Erfahrungen gemacht… In ländlicheren Regionen kann man in der Regel auf die Gutherzigkeit der Menschen vertrauen. Aber wenn es um Preise und Feilschen geht, dann sollte man immer wachsam sein!

Landleben.

4. Wie hast du dich in die fremde Kultur eingelebt?

Die Menschen dort sind sehr zuvorkommend und führten mich schnell und intensiv in ihre Kultur ein. Negativ empfand ich allerdings, dass die Menschen dort sehr statusorientiert sind und es oftmals von Kleidung, Aussehen und Auftreten abhängig machen, wie sie einen behandeln. Aber das trifft man ja hier auch an… Auf jeden Fall herrscht bei den Menschen im Kongo eine sehr kommunikative Stimmung, es wird fast immer geredet, gelacht, gerufen. Das fängt bei den Kindern an und hört bei den Alten nicht auf!

 

...to be continued...

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