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Die Famulatur der etwas anderen Art – Teil II

Alle zwei Wochen veröffentlichen wir Teile des Interviews mit Seyyid, das wir mit ihm nach seiner Famulatur gemacht haben. Es gibt Einblick in eine andere Welt! Hier nun also der zweite Teil... viel Spaß beim Lesen!

4. Du hast ja nun nicht „nur“ die kongolesische Kultur kennengelernt, sondern auch das Arbeiten in einem Krankenhaus. Was unterscheidet die Arbeit dort von hier?

Es gibt natürlich erhebliche Unterschiede zwischen dem Krankenhausalltag in Kikwit und dem Alltag in einer der hervorragenden Kliniken, die ich aus meinen Erfahrungen hier kenne. In Kikwit gibt es z.B. keine Dokumentation der Patientengeschichte. Jeder Patient stellt sich mit seiner Krankengeschichte dort vor, anhand derer er diagnostiziert und therapiert wird. Für die Pflege der Patienten sind in erster Linie die Angehörigen zuständig, während das Personal vor allem dafür zuständig ist, die ärztlich angeordneten Maßnahmen durchzuführen. Ich arbeitete gerne und oft mit dem Pflegepersonal zusammen. Die Zusammenarbeit war toll und ich konnte vieles von ihnen lernen. Manchmal war ich auch mit den Ärzten unterwegs.

Famulatur im Kongo.

5. Und wie unterscheiden sich die Behandlungsmethoden von unseren?

Die Ärzte in den Kliniken hatten nur selten eine Facharztausbildung, d.h. in der Dreihunderttausend- Einwohnerstadt gab es vielleicht fünf Fachärzte. Daher versucht Dr. Uluma Partnerschaften, auch mit deutschen Kliniken, herzustellen. In Kikwit gab es für die gesamte Klinik nur drei Ärzte. Jeder Arzt war also für alle Stationen zuständig und musste diese regelmäßig durchlaufen. Sie konnten sich daher den einzelnen Patienten nur kurz zuwenden, da blieb nicht viel Zeit. Entsprechend wurden auch die Therapien schnell und ohne viel Diagnostik ausgewählt und abgesehen von operativen Eingriffen immer vom medizinischen Personal durchgeführt. 

Famultur im Kongo.

6. Wie schätzt du den Fortschritt des Krankenhauses ein?

Das Krankenhaus, in dem ich zuerst arbeitete, hatte einen guten Ruf vor Ort. In anderen Krankhäusern gibt es oft Probleme. Das Personal wird nicht bezahlt oder Patienten bleiben unbehandelt, entweder weil schlichtweg kein Geld da ist oder aufgrund von Korruption. Leider gibt es auch kaum Kontrollstrukturen. 

In Kikwit II werden jeden zweiten Tag Morgenbesprechungen abgehalten und Probleme angesprochen. Ich sah das sehr positiv, auch wenn es die Probleme nicht immer löste… Die Operationen wurden im  Rahmen des Möglichen sehr sauber durchgeführt, was mich teilweise überrascht hatte. Es wird genau auf Sterilität und Ordnung geachtet. Es gibt keine Anästhesisten, daher ist es gängig, die Patienten mit Ketamin zu sedieren anstatt eine vollständige Narkose durchzuführen. 

7. Welche Bedeutung hat und hätte der medizinische Fortschritt?

Der Fortschritt im Krankenhaus ist etwas, was das Leben der Menschen dort unmittelbar betrifft und wovon sie auf jeden Fall profitieren. Im Moment ist die grundlegende Gesundheitsversorgung für einen Großteil der Bevölkerung praktisch nicht existent. In der Großstadt Kikwit gibt es vielleicht eine Handvoll, nach unseren Maßstäben kleinere Kliniken. Diese Situation spiegelt sich auch in der Lebenserwartung wieder. Im Kongo sind das 49 Jahre. Dr. Uluma geht in Kikwit von 40 Jahren aus.  

8. Wie viele Frauen arbeiten im Krankenhaus von Vincent?

Nun, gezählt habe ich die Frauen nicht, aber die Krankenschwestern in den einzelnen Stationen könnten ungefähr zwanzig sein. Auf der Geburtsstation in etwa noch einmal so viele. Aber das sind nur grobe Schätzungen. Dr. Uluma könnte hier sicher genauer Auskunft geben. 

Famulatur: Arbeit im Labor gehört natürlich auch dazu.

9. Welchen Beruf üben die Frauen in der Klinik aus?

Die meisten Frauen arbeiten dort sind Krankenschwestern oder Geburtshelferinnen. Es gibt auch mehrere Laborantinnen. Auch die Verwaltung, die Aids- Beratung und die Pharmazie sind von Frauen besetzt. Insgesamt sind auf jeden Fall weit mehr Frauen im Krankenhaus angestellt als Männer. 

10. Wie teuer ist eine Konsultation in Kikwit?

Das beginnt bei 3500 Kongo-Franc für den Behandlungsbeginn, das sind ungefähr drei Euro, variierte aber dann je nach Therapie. So wurde zum Beispiel für Notfälle mehr berechnet. Die Medikamente und auch die Utensilien für die Behandlung wie Kanüle, Handschuhe usw. müssen von den Angehörigen selbst in der Pharmazie gekauft werden. Die Preise für Medikamente sind unterschiedlich. Gängige Antibiotika und Vitamininfusionen sind günstig und für die meisten Patienten erschwinglich. Dank verschiedener Hilfsprojekte sind teurere Therapien wie für Aids oder Tuberkulose kostenlos. Jedoch gab es immer wieder Menschen, die sich eine Behandlung nicht leisten konnten.

 

... to be continued...

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