Hospital Kikwit-Ende 12/2016 Archives - Friends 4 Friends e.V. Regensburg
16
Jan

Abschluss des Projekts in Kikwit

Einigen von euch wird es sicherlich schon aufgefallen sein, dass sich auf unserer Homepage etwas geändert hat. Seit kurzem unterstützt Friends 4 Friends nur noch zwei Projekte -  "Kampala Straßenkids" in Uganda und das "Home of Good Hope" in Namibia. 

Seit Kurzem ist am Krankenhausbau von Kikwit eine große internationale Hilfsorganisation involviert. Aus diesem Grunde hat unsere Vorstandsschaft beschlossen, unsere Hilfe mit dem Abschluss des Baus der drei Krankenhausbauten auslaufen zu lassen. Unsere finanzielle Unterstützung vor allem in der Anfangszeit der Baumaßnahmen von großer Wichtigkeit – jetzt übernehmen andere. Es geht nunmehr um den Bau des Ärztehauses, in dem nach Fertigstellung Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger wohnen sollen. Eine große Organisation hat auch deutlich mehr finanzielle Mittel für kostspielige Geräte, die noch benötigt werden: Röntgengeräte, Brutkästen, Labor für tropische Krankheiten, etc.
Wir freuen uns sehr über diese Entwicklung und hoffen, dass der Bau nun zügig voran kommt!
Abschluss Kikwit

Vincent und alle Patienten bedanken sich für Ihre Unterstützung in den Anfangsjahren des neuen Krankenhauses!

8
Apr

Die Famulatur der etwas anderen Art – Teil IV

Alle zwei Wochen veröffentlichen wir Teile des Interviews mit Seyyid, das wir mit ihm nach seiner Famulatur in Kikwit gemacht haben. Es gibt Einblick in eine andere Welt! Hier nun also der vierte Teil... viel Spaß beim Lesen!

15. Und dein Alltag in der Klinik… Gab es sprachliche Barrieren? Wie war die Verständigung?

Im Kongo gibt es vier Umgangssprachen, die je nach Region dominieren: Lingala, Kikongo, Tshiluba und Kiswahili. In der Region Kikwit ist Kikongo die vorherrschende Sprache.

Französisch wird in der Schule gelehrt. In den Städten wird es auch zuhause gesprochen und ist die Verkehrssprache. Aber vor allem im ländlichen Raum hat ein großer Teil der Bevölkerung keinen Zugang zu Bildung und in der Klinik Kikwit IV beispielweise sprach ein großer Teil, etwa 60 bis 70 % der Patienten nur die Muttersprache. Hier war die Verständigung schwierig. Aber die Schwestern dort brachten mir netterweise in kurzer Zeit wichtige Begriffe und Phrasen in Kikongo bei, um rudimentäre Anamnesen durchführen und wichtige Symptome schnell erfragen zu können, auch wenn diese für die Therapie meist nochmal bestätigt wurden.

Famulatur in Kikwit. Dutzende Operationen gehören zum Alltag.

16. Wie viele Patienten hast du etwa behandelt?

Ich würde nicht sagen, dass ich Patienten behandelt habe. Ich habe dabei geholfen. Es war ja eine Famulatur und ähnlich wie hier, war ich auch dort eher observierend und aushelfend tätig. Ich legte gelegentlich Infusionen und führte vor allem körperliche Untersuchungen durch und unterstützte so den Arzt bei der Anamnese. Außerdem assistierte ich etwa bei einem Dutzend Operationen und durfte auch einige Male auf der Geburtsstation helfen. Ich könnte jetzt aber nicht sagen, wie viele Patienten ich gesehen habe. Das wäre nur eine sehr grobe Schätzung.

17. Wie viele davon waren Kinder?

Ich begann meinen Tagesablauf immer in der pädiatrischen Ambulanz, da diese für mich am lehrreichsten war. Täglich werden dort ungefähr zwanzig Kinder behandelt. Das hängt aber auch vom Wochentag ab. Zu Beginn der Woche erscheinen weit mehr, da die Eltern aufgrund der Lohnstruktur zum Ende der Woche hin wohl kein Geld mehr haben, um die Behandlung zu bezahlen.

18. Was war dein schönstes bzw. dein traurigstes Erlebnis?

Das intensivste Erlebnis war die Trauer in den Augen der Eltern, die die Behandlung ihrer anämischen, malariakranken Tochter nicht bezahlen konnten.

 

 

...to be continued...

18
Mrz

Die Famulatur der etwas anderen Art – Teil III

Alle zwei Wochen veröffentlichen wir Teile des Interviews mit Seyyid, das wir mit ihm nach seiner Famulatur in Kikwit gemacht haben. Es gibt Einblick in eine andere Welt! Hier nun also der dritte Teil... viel Spaß beim Lesen!

11. Wo hast du während deiner Zeit in Kikwit gewohnt?

Während dieser Zeit habe ich bei Dr. Vincent Uluma gewohnt. Er war hier sehr zuvorkommend und verglichen mit den örtlichen Verhältnissen herrschten dort auf jeden Fall gehobene Zustände. Man könnte sagen, ich lebte also sehr komfortabel.

12. Und wie kamst du jeden Tag in die Klinik?

Mit dem Taxi, das heißt mit jedem Auto, das anhält, um einen mitzunehmen.

13. Was und wo hast du gegessen?

Es gab fast immer Fufu mit einer Beilage, zum Beispiel Ziege oder gelegentlich auch Wild aus dem Wald. Fast alles wird vor der Zubereitung frisch geerntet oder im Kwilu, einem Zufluss des Kongo, gefangen. Einmal saß ich neben einem Jungen, der zwei Ratten sehr gekonnt und fachmännisch zubereitete.

Das Frühstück und Abendessen gab es bei Dr. Uluma zuhause, mittags besorgte ich mir meistens etwas an den vielen Straßenmärkten. Es gibt da zahlreiches an Gekochtem, Gebratenem, Frittiertem und auch an frischen Sachen. Fast immer köstlich, allerdings weiß ich von vielem bis jetzt noch nicht, was es eigentlich war…

Famultaur im Kongo. Streetfood war gab es immer und überall.
Famulatur im Kongo: Komfort sieht in Europa etwas anders aus.

14. Wie teuer ist das Leben im Kongo? Was kostet der Lebensunterhalt?

Die Preise variieren stark. Generell kann man sagen, dass alle importierten Güter sehr teuer sind. Dazu zählen viele Konsumgüter, die dem westlichen „Vorbild“ entsprechen wie etwa Margarine, Schokolade zum Aufstreichen und solche Dinge. Ein Nutella-ähnliches Glas Schokolade kostet zum Beispiel 3500 Kongo Franc, so viel wie die Kosten zum Behandlungsbeginn in der Klinik… Einheimisches Essen ist dagegen sehr günstig und man kann sich für umgerechnet einen Euro gut satt essen. Eine Banane kann man schon für ein paar Cent ersteigern. Es gibt aber regional große Unterschiede. Kinshasa ist selbst für unsere Verhältnisse sehr teuer. Ein Aufenthalt in den meisten Hostels beginnt bei 30 bis 40 Dollar.

 

...to be continued...

3
Mrz

Die Famulatur der etwas anderen Art – Teil II

Alle zwei Wochen veröffentlichen wir Teile des Interviews mit Seyyid, das wir mit ihm nach seiner Famulatur gemacht haben. Es gibt Einblick in eine andere Welt! Hier nun also der zweite Teil... viel Spaß beim Lesen!

4. Du hast ja nun nicht „nur“ die kongolesische Kultur kennengelernt, sondern auch das Arbeiten in einem Krankenhaus. Was unterscheidet die Arbeit dort von hier?

Es gibt natürlich erhebliche Unterschiede zwischen dem Krankenhausalltag in Kikwit und dem Alltag in einer der hervorragenden Kliniken, die ich aus meinen Erfahrungen hier kenne. In Kikwit gibt es z.B. keine Dokumentation der Patientengeschichte. Jeder Patient stellt sich mit seiner Krankengeschichte dort vor, anhand derer er diagnostiziert und therapiert wird. Für die Pflege der Patienten sind in erster Linie die Angehörigen zuständig, während das Personal vor allem dafür zuständig ist, die ärztlich angeordneten Maßnahmen durchzuführen. Ich arbeitete gerne und oft mit dem Pflegepersonal zusammen. Die Zusammenarbeit war toll und ich konnte vieles von ihnen lernen. Manchmal war ich auch mit den Ärzten unterwegs.

Famulatur im Kongo.

5. Und wie unterscheiden sich die Behandlungsmethoden von unseren?

Die Ärzte in den Kliniken hatten nur selten eine Facharztausbildung, d.h. in der Dreihunderttausend- Einwohnerstadt gab es vielleicht fünf Fachärzte. Daher versucht Dr. Uluma Partnerschaften, auch mit deutschen Kliniken, herzustellen. In Kikwit gab es für die gesamte Klinik nur drei Ärzte. Jeder Arzt war also für alle Stationen zuständig und musste diese regelmäßig durchlaufen. Sie konnten sich daher den einzelnen Patienten nur kurz zuwenden, da blieb nicht viel Zeit. Entsprechend wurden auch die Therapien schnell und ohne viel Diagnostik ausgewählt und abgesehen von operativen Eingriffen immer vom medizinischen Personal durchgeführt. 

Famultur im Kongo.

6. Wie schätzt du den Fortschritt des Krankenhauses ein?

Das Krankenhaus, in dem ich zuerst arbeitete, hatte einen guten Ruf vor Ort. In anderen Krankhäusern gibt es oft Probleme. Das Personal wird nicht bezahlt oder Patienten bleiben unbehandelt, entweder weil schlichtweg kein Geld da ist oder aufgrund von Korruption. Leider gibt es auch kaum Kontrollstrukturen. 

In Kikwit II werden jeden zweiten Tag Morgenbesprechungen abgehalten und Probleme angesprochen. Ich sah das sehr positiv, auch wenn es die Probleme nicht immer löste… Die Operationen wurden im  Rahmen des Möglichen sehr sauber durchgeführt, was mich teilweise überrascht hatte. Es wird genau auf Sterilität und Ordnung geachtet. Es gibt keine Anästhesisten, daher ist es gängig, die Patienten mit Ketamin zu sedieren anstatt eine vollständige Narkose durchzuführen. 

7. Welche Bedeutung hat und hätte der medizinische Fortschritt?

Der Fortschritt im Krankenhaus ist etwas, was das Leben der Menschen dort unmittelbar betrifft und wovon sie auf jeden Fall profitieren. Im Moment ist die grundlegende Gesundheitsversorgung für einen Großteil der Bevölkerung praktisch nicht existent. In der Großstadt Kikwit gibt es vielleicht eine Handvoll, nach unseren Maßstäben kleinere Kliniken. Diese Situation spiegelt sich auch in der Lebenserwartung wieder. Im Kongo sind das 49 Jahre. Dr. Uluma geht in Kikwit von 40 Jahren aus.  

8. Wie viele Frauen arbeiten im Krankenhaus von Vincent?

Nun, gezählt habe ich die Frauen nicht, aber die Krankenschwestern in den einzelnen Stationen könnten ungefähr zwanzig sein. Auf der Geburtsstation in etwa noch einmal so viele. Aber das sind nur grobe Schätzungen. Dr. Uluma könnte hier sicher genauer Auskunft geben. 

Famulatur: Arbeit im Labor gehört natürlich auch dazu.

9. Welchen Beruf üben die Frauen in der Klinik aus?

Die meisten Frauen arbeiten dort sind Krankenschwestern oder Geburtshelferinnen. Es gibt auch mehrere Laborantinnen. Auch die Verwaltung, die Aids- Beratung und die Pharmazie sind von Frauen besetzt. Insgesamt sind auf jeden Fall weit mehr Frauen im Krankenhaus angestellt als Männer. 

10. Wie teuer ist eine Konsultation in Kikwit?

Das beginnt bei 3500 Kongo-Franc für den Behandlungsbeginn, das sind ungefähr drei Euro, variierte aber dann je nach Therapie. So wurde zum Beispiel für Notfälle mehr berechnet. Die Medikamente und auch die Utensilien für die Behandlung wie Kanüle, Handschuhe usw. müssen von den Angehörigen selbst in der Pharmazie gekauft werden. Die Preise für Medikamente sind unterschiedlich. Gängige Antibiotika und Vitamininfusionen sind günstig und für die meisten Patienten erschwinglich. Dank verschiedener Hilfsprojekte sind teurere Therapien wie für Aids oder Tuberkulose kostenlos. Jedoch gab es immer wieder Menschen, die sich eine Behandlung nicht leisten konnten.

 

... to be continued...

Verein Friends 4 Friends Regensburg-Afrika
19
Feb

Die Famulatur der etwas anderen Art – Teil I

Im November 2014 erhielten wir eine Nachricht von einem gewissen Seyyid, Medizinstudent aus Marburg, der zu Vincents Projekt in den Kongo reisen wollte, um dort seine Famulatur zu machen. Dieser junge Mann war uns natürlich sofort sympathisch, was kann auch einem Verein besseres passieren als einen Arzt für ein solches Projekt zu gewinnen. Emails, Anrufe, noch mehr Emails und wenige Monate später - im Sommer letzten Jahres – hieß es dann: Goodbye Deutschland, hello Kongo!

Wichtig war uns natürlich, Informationen aus erster Hand von den Entwicklung vor Ort zu bekommen, aber auch Seyyids Eindrücke an unsere Leser weiterzugeben. Aus diesem Grund gibt es ab sofort in mehreren Abschnitten Auszüge aus dem Interview, welches wir kürzlich mit ihm geführt haben.

 Nochmal ein Dankeschön an dieser Stelle, dass du dich entschlossen hattest, dieses Projekt auf diese ganz besondere Art und Weise zu unterstützen!

1. Was war dein Beweggrund nach Afrika zu gehen?

Als der klinische Abschnitt meines Medizinstudiums begann, machte ich meine erste Famulatur im Universitätsspital von Zürich. Meine Erfahrungen in der Schweiz waren einfach berauschend. Dort wird Spitzenmedizin vom Feinsten praktiziert, und auch die Lehre ist vorbildlich. Man beginnt allerdings auch, sich zu fragen, wie es in Ländern aussieht, die nicht in der Lage sind, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung auf diesem Niveau bereitzustellen.

Wie ist die Situation in den Kliniken dort? Wie ist die gesundheitliche Situation der Menschen, wie die Arbeitsbedingungen der Mediziner? Ich wollte sehen, wie Ärzte und Krankenpflegepersonal unter für uns unvorstellbaren Bedingungen arbeiten können, wie das überhaupt funktionieren kann. Und genau davon wollte ich lernen.

Zum anderen ist es immer eine bereichernde Erfahrung, in eine fremde Kultur einzutauchen: Man erkennt dadurch mehr Facetten der Menschen, sich selbst eingeschlossen, und bekommt ganz andere und neue Sichtweisen.

Seyyids Famultur im Kongo.
Kinder schwimmen in einem Nebenfluss des Kongo Rivers.

2. Afrika ist ein großer Kontinent. Warum gerade der Kongo?

Nun, die meisten afrikanischen Länder haben eine interessante, weil oft leider auch tragische Geschichte. Doch es war für mich nicht zwingend, nach Afrika und insbesondere in den Kongo zu gehen. Allerdings begann meine „Beziehung“ zum Kongo schon früh. In meiner Kindheit faszinierten mich die Berichte über die Kongo- Kriege. Die Menschen in dieser fremden Umgebung hatten für mich etwas Geheimnisvolles an sich, das mich nie mehr ganz losließ. Als ich nun im letzten Jahr begann, mich zu informieren und einen Teil der spärlichen Literatur zu lesen, die es über den Kongo gibt, so flammte diese alte Leidenschaft wieder auf und die Sache war beschlossen. Auch jetzt, nachdem ich dort war, fällt es mir schwer, das kongolesische Lebensgefühl in Worte zu fassen. 

3. Wie hast du dich im Kongo zurecht gefunden?

Man findet sich gut zurecht, die meisten Menschen sind über die Maßen hilfsbereit. Da mein Französisch aus der Schulzeit anfangs noch ziemlich schlecht war, lagen die Schwierigkeiten bei der Ankunft wohl eher an mir als an meiner Umgebung… Das besserte sich im Verlauf deutlich. Im Nachhinein kann ich aber auch sagen, dass es große Unterschiede gibt zwischen den verschiedenen Regionen und wie man die Menschen dort jeweils einschätzen kann.

Es wurde für mich leichter, mich zurecht zu finden, als ich in Kikwit ankam. In Kinshasa war es wesentlich schwieriger. Kinshasa ist ja eine riesige Metropole, mit 10 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Afrikas- und die Dunkelziffer beträgt rund das Doppelte, also 20 Millionen- und steht in keinem Fall stellvertretend für den Rest des Landes. In der Hauptstadt ist es auf jeden Fall empfehlenswert, im Voraus mit Einheimischen Kontakt zu haben, wenn man das erste Mal hinfährt, nicht zuletzt wegen der Kriminalitätsraten. Glücklicherweise habe ich in dieser Hinsicht keine Erfahrungen gemacht… In ländlicheren Regionen kann man in der Regel auf die Gutherzigkeit der Menschen vertrauen. Aber wenn es um Preise und Feilschen geht, dann sollte man immer wachsam sein!

Landleben.

4. Wie hast du dich in die fremde Kultur eingelebt?

Die Menschen dort sind sehr zuvorkommend und führten mich schnell und intensiv in ihre Kultur ein. Negativ empfand ich allerdings, dass die Menschen dort sehr statusorientiert sind und es oftmals von Kleidung, Aussehen und Auftreten abhängig machen, wie sie einen behandeln. Aber das trifft man ja hier auch an… Auf jeden Fall herrscht bei den Menschen im Kongo eine sehr kommunikative Stimmung, es wird fast immer geredet, gelacht, gerufen. Das fängt bei den Kindern an und hört bei den Alten nicht auf!

 

...to be continued...

12
Sep

Neues von Vincent aus Kikwit, Teil III

Ziegelgewinnung

Seit drei Jahren baut Dr. Vincent Uluma nun an seinem Krankenhaus in Kikwit, DR Kongo. Da stellt sich doch die Frage, warum das alles so lange dauert.

Dafür gibt es mehrere Gründe:
Für das erste Gebäude waren genug Spendengelder vorhanden. Deswegen hat Vincent entschieden, sofort mit dem ersten Gebäude zu beginnen. Diese Vorgehensweise ist in Afrika normal. Wenn dann wieder Geld eingeht, wird weitergebaut. In der Region Kikwit gibt es eine sehr ausgeprägte Regenzeit. Vincent baut mit Lehmziegeln. Der Lehm kann praktischerweise auf dem eigenen Gelände gewonnen werden. Dass die Herstellung der Ziegel bei täglichen Regenschauern nicht so leicht ist wie bei Sonnenschein (immerhin müssen sie trocken sein, bevor sie verbaut werden können) leuchtet ein.

Viele der Arbeiter sind Landwirte – wenn sie auf den Feldern zu tun haben, fallen diese Arbeiter aus. Die meisten von ihnen betreiben Subsistenzwirtschaft – was sie anbauen, verbrauchen sie auch selbst (Maniok, Mais, Bohnen, Erdnüsse und Gemüse). Geplant ist auch der Bau einer Müllentsorgungsanlage. Dort soll der Müll geordnet verbrannt werden. Die Wasserversorgung wird durch eine Zisterne geregelt. Wasserleitungen in die Räume gibt es nicht - aber allgemeine sanitäre Anlagen mit Toiletten und Duschen getrennt für Frauen und Männer gibt es sehr wohl.

Getrockneter Maniok

Wie viel kostet denn nun eigentlich der Bau eines kleinen, einstöckigen Gebäudes im Kongo?

Laut Vincent kann er ein kleines Gebäude (wie das Labor) für ca 8500.-USD bauen lassen. Das beinhaltet Ziegelsteine, den Transport, Beton, Zement, Kies, Waschbecken, Kabel, Farbe, Türen, Fenster, Fensterscheiben, Verbundglas, Glühbirnen – und die Arbeiter. Erstaunlicherweise werden die Arbeiter prozentual zu den Baukosten entlohnt. 20% der Baukosten gehen als Lohn an die Arbeiter!
Wie man sieht... gibt es noch viel zu tun – wir bleiben dran.

To be continued.

29
Jul

Neues von Vincent aus Kikwit, Teil II

Die ersten Patienten im neuen Krankenhaus von Kikwit

Drei von insgesamt vier Gebäuden stehen nun also bereits. Aber wie sieht es aus mit den Patienten? Immerhin steht das neue Krankenhaus ja nicht direkt in Kikwit, sondern ein paar Kilometer außerhalb.

Sie kommen, die Patienten. Bis April 2015 wurden 357 Kinder und 329 Erwachsene behandelt. Anscheinend hat sich die Qualität des neuen Krankenhauses, der Ärzte und der Versorgung bereits herumgesprochen. Vor allem für die Augenheilkunde ist das Krankenhaus bekannt: im nicht-chirurgischen Bereich wurden 21 Kinder und 124 Erwachsene an den Augen behandelt. Außerdem haben die Ärzte bereits 17 Augen-OPs durchgeführt.

Schon 110 Babies sind in der neuen Klinik auf die Welt gekommen.

Und es wurden bisher 78 Ultraschalluntersuchungen und 38 größere und kleinere Operationen durchgeführt. Insgesamt sprechen wir von 886 Patienten und 110 Neugeborenen – und das in einer Klinik, die noch gar nicht fertig ist!

Entbindungsraum

Geburtenstation

Entbindungsraum

Radiologie (Labor)

Auch im Labor wird schon fleißig gearbeitet – 1048 Untersuchungen wurden unter erschwerten Bedingungen durchgeführt. Momentan ist das Labor in einem sehr kleinen Raum untergebracht, das eigentliche Laborgebäude ist noch nicht fertig. Laut Vincent wird Misereor dieses Jahr noch Ausrüstung schicken, damit auch größere und schwierigere Untersuchungen möglich sind – im biologischen, chemischen und bakteriellen Bereich.

Es sind natürlich erschwerte Bedingungen – wie immer und überall im Kongo. Wenn man von erschwerten Bedingungen redet, heißt das in diesem Fall: Mit drei Stunden Elektrizität am Tag, ohne öffentlichen Verkehr, ohne Trinkwasser aus dem Hahn und kaum Medikamenten für die Kranken.

Die Ärzte und Pfleger – das sind mitunter die wahren Helden des kongolesischen Alltags!

16
Mai

Neues von Vincent aus Kikwit, DR Kongo

Lange hat es gedauert, aber nun sind neue Infos von Dr. Vincent Uluma und dem Krankenhausbau in Kikwit (DR Kongo) da!

Wir erinnern uns: Ein Krankenhaus im Kongo? In einem Staat, in dem sich seit Jahrzehnten keiner um irgend etwas kümmert? In einem Staat, in dem es weder genüged Schulen, noch ausreichend Arbeit, Straßen oder genügend Essen gibt? Wo es dafür umso mehr Korruption, Misswirtschaft, Kriege und sonstige Katastrophen gibt…. Ja – genau da! Eben, weil dort so viel Not herrscht… und auch, weil es dort so wenige Krankenhäuser und Ärzte gibt, sodass Dr. Vincent Uluma administrativ für drei Millionen Menschen zuständig ist! Für ihn kein Grund zum Verzweifeln, sondern eher ein Ansporn, seinen Patienten und seinen Vorstellungen von einem vernünftigen Krankenhaus gerecht zu werden!

Wie soll das gehen? Etwas außerhalb von Kikwit gibt es seit einigen Jahren ein kleines Krankenhaus – eigentlich für Augenheilkunde. Es ist das einzige in der ganzen Gegend. Logisch, was da passierte – die Einheimischen kamen nicht nur mit Augenleiden, sondern mit allen denkbaren Krankheiten in dieses Krankenhaus. Außerdem brachten dort immer mehr Frauen hier ihre Kinder zur Welt, denn: Lieber ein Augenarzt bei der Entbindung als gar kein Arzt…

Das Gelände ist groß – genau das Richtige für ein großes Krankenzentrum, um alle Arten von Krankheiten zu behandeln. Als erstes ließ Vincent die alte Augenklinik umbauen und organisierte die notwendige medizinische Grundausstattung, um den Anforderungen bei Entbindungen gerecht zu werden.

Seit vorigem Jahr ist das sogenannte „blaue Haus“ fertiggestellt. Es besteht aus einem Operationssaal und einem Raum für Mütter und deren Neugeborene (Bild links). Ein weiterer Gebäudekomplex mit Krankenzimmern für insgesamt 140 Patienten konnte ebenfalls konstruiert werden. Weitere Patientenräume sind in einem kleineren Gebäude untergebracht. 03_Neugeborene-Mütter-Krankenschwesternraum-Administration_web
Hier ist auch die Administration, das Schwesternzimmer (Bild oben rechts) sowie ein kleines Labor (Bild unten rechts).
Vom vierten Gebäude stehen bisher nur die Außenmauern. Es ist vorgesehen, das Labor eines Tages hierhin umzusiedeln. Außerdem wird hier das Röntgengerät seinen Platz finden, das von Misereor gestiftet wurde und hoffentlich diesen Juli oder August in Kikwit eintrifft.

Aufgrund der Finanzen können die Gebäude nur nacheinander gebaut werden. Treffen Spendengelder ein, werden die Bauarbeiten wieder aufgenommen.Labor

Doch wer denkt, Vincent hat keine weiteren Pläne,… der irrt: Er denkt an eine Krankenhausküche sowie an einen Wohnkomplex für die Ärzte, die zukünftig an der Klinik arbeiten sollen. Vincents Plan ist so simpel wie effektiv, denn die Wohnsituation in Kikwit ist sehr bescheiden. Um Spezialisten für seine Klinik anwerben zu können, braucht er Wohnungen… umso besser, wenn diese direkt beim Arbeitsplatz liegen.

 

 

To be continued….
15
Apr

Vincent

In der DR Kongo ein Krankenhaus bauen? In einem Staat, in dem sich seit Jahrzehnten keiner um irgend etwas kümmert? In einem Staat, in dem es weder Schulen, noch Arbeit, Straßen oder genügend Essen gibt? Dafür gibts dort umso mehr Korruption, Misswirtschaft, Kriege und sonstige Katastrophen.

Also noch einmal von vorne – ein Krankenhaus in der DR Kongo? Ja – genau da! Eben weil es dort so notwendig ist. Eben weil dort so viel Not herrscht. Und weil es dort so wenige Krankenhäuser und Ärzte gibt, dass Dr. Vincent Uluma gleich für drei Millionen Menschen zuständig ist! Für ihn kein Grund zum Verzweifeln, sondern eher ein Ansporn, seinen Patienten und seinen Vorstellungen von einem vernünftigen Krankenhaus gerecht zu werden! Und das will er folgendermaßen erreichen: Etwas außerhalb von Kikwit gibt es seit einigen Jahren ein kleines Krankenhaus. Das wurde von Prof. Paganon erbaut, einem Spezialisten für Augenheilkunde. In der ganzen Gegend gab es aber kein anderes Krankenhaus. Logisch, was da passiert – die Einheimischen sind nicht nur bei Augenleiden, sondern mit allen möglichen Krankheiten zu ihm gekommen. Immer mehr Frauen brachten hier ihre Kinder zur Welt. Lieber einen Augenarzt bei der Entbindung als gar keinen Arzt…

Das Gelände ist groß – genau das Richtige für Vincent. Genau das Richtige für ein großes Krankenzentrum, um alle Arten von Krankheiten zu behandeln. Hier gibt es nirgends Altlasten durch aufgegebene Industrieanlagen. Das Gelände ist groß genug für eine eigene Zisterne – das Wasser des nahen Flusses ist nicht für Kranke geeignet. Vincent plant, neben der Klinik eine Farm zu errichten. Landwirtschaft und Kühe – das bedeutet frisches Gemüse und Milch für die Patienten. Ein unerhörter Luxus für eine afrikanische Klinik! In ganz Afrika bringen sonst die Patienten ihre Angehörigen mit ins Krankenhaus. Die kochen dann das Essen, waschen die Wäsche und besorgen die notwendigen Medikamente… In dieser Klinik wird das anders sein!

Als Erstes ließ Vincent das alte Gebäude der Augenklinik umbauen. Es wird jetzt vor allem für Geburten benutzt – inzwischen sogar mit der passenden Ausstattung. Seit kurzem ist ein deutlich größeres neues Gebäude fertig. Hier werden alle Arten von Operationen ausgeführt, es gibt ein Röntgengerät und Ultraschall. Auch chirurgische Bestecke und anderes Klinikmaterial ist vorhanden – Spenden aus Belgien und Deutschland! Ebenfalls fertiggestellt ist ein Gebäudekomplex mit Krankenzimmern für insgesamt 140 Patienten. Das Ganze mit vernünftigen Duschen und Toiletten – in afrikanischen Krankenhäusern keine Selbstverständlichkeit!

Vincent hat diesen Ort für das Klinikum mit Bedacht ausgewählt. Der Boden in dieser Gegend besteht aus Lehm – die Ziegel können von den Arbeitern direkt vor Ort hergestellt werden. Das hält die Kosten niedrig! Trotzdem können aufgrund der Finanzen die Gebäude nur nacheinander gebaut werden. Treffen Spendengelder ein, wird weiter gebaut. Geplant sind ein Gebäude für Sprechstunden und Labor, eine Krankenhausküche sowie ein Wohnkomplex für die Ärzte. Vincents Plan ist so simpel wie effektiv – die Wohnsituation in Kikwit ist sehr bescheiden. Also braucht er Wohnungen, wenn er Spezialisten für seine Klinik anwerben möchte. Umso besser, wenn diese Wohnungen direkt bei der Klinik liegen! Wichtiger als das Ärztehaus ist aber die Finanzierung von Betten und Matratzen für die Patienten. Die müssen vor Ort gekauft werden, weil sie für einen Transport aus Europa viel zu sperrig und somit zu teuer sind. Vincent braucht 140 Betten und Matratzen für seine Klinik.

Wir arbeiten daran,ihm bei der Finanzierung zu helfen – helfen Sie mit!