21
Aug

Mein Besuch im Home of Good Hope

Bericht von Kathi

Diesen Sommer hatte ich die Gelegenheit endlich einmal persönlich die Suppenküche zu besuchen, von der mir meine liebe Reisebegleitung Barbara im Vorfeld schon so viel erzählt hatte. An mehreren Tagen zu Beginn und am Ende unserer Reise planten wir einige Stunden im Township von Windhoek ein – ein objektiv wohl eher wenig touristischer und attraktiver Ort, dennoch sollten mich diese Tage noch länger beschäftigen und auf eine emotionale Reise schicken. Emotionen sind oft schwer in Wort zu fassen, einzelne Eindrücke und Momente aus diesen Tagen sollen euch einen Ausschnitt meiner Gefühle zeigen...

Freude...

Zunächst einmal spürte ich Freude, als wir ankamen und die Mitarbeitenden uns äußerst herzlich und offen begrüßten; oder als einige Kinder uns so unvoreingenommen und liebevoll umarmten, wie es nur Kinder tun können; oder als ich die Dankbarkeit der Kinder wahrnahm, dass sie hier so willkommen sind; oder als ich die fröhlichen Lieder hörte, die am Vormittag gemeinsam mit Monica gesungen werden; die Freude beim Singen, Tanzen und Lachen der Kinder war ehrlich und irgendwie besonders an diesem Ort. Freude und Gastfreundschaft waren hier in der Suppenküche sehr präsent, das Engagement und die Herzlichkeit von Monica und ihrem Team ist unglaublich!

Da war aber auch Demut (ein pathetischer Begriff, aber er trifft es am besten), die ich beim  Ausgeben des Essens wahrnahm. Alle Kinder kannten den Ablauf: Hände waschen, anstellen, essen, danach das Geschirr zum Abwasch bringen und sich bedanken. Und anders als ich es zuhause bei einer so großen Gruppe von Kindern und Jugendlichen erwarten würde: Die oft nur sehr knapp bemessenen Portionen wurden mit großer Dankbarkeit entgegengenommen, es gab kaum Gerangel, kein Jammern über Wartezeit oder zu kleine Portionen, keine Streitereien um einen Nachschlag. Beeindruckt hat mich auch die Fairness und Umsichtigkeit der Kinder: Ein älterer Junge machte mich zB. darauf aufmerksam, dass ich ein kleines Mädchen bei der Ausgabe übersehen habe, da ich kurz abgelenkt war; oder ein anderer Junge tauschte seine etwas größere geratene Essensportion von sich aus gegen eine kleinere, denn er wusste, dass die großen Portionen für die älteren Schulkinder bestimmt waren.

Besuch Suppenküche
... Traurigkeit

Ich spürte immer wieder auch eine gewisse Traurigkeit, als ich mir über die Lebensumstände dieser Kinder Gedanken machte und mich fragte, wie ein solches Leben in einem Township wohl aussehen mag; oder als ich die kaputten, zerschlissenen Kleidungsstücke und Schulrucksäcke vieler Kinder bemerkte, die bei uns nicht einmal mehr in der Altkleidersammlung landen würden. Die sicherlich auch oft kaputten Familienverhältnisse kann ich nur erahnen. Die meist so unsichtbaren Privilegien meines Lebens wurden für mich hier ein Stück weit sichtbarer und haben mich nachdenklich gestimmt.

Besuch Suppenküche

Vor wenigen Tagen habe ich bei einem Theaterfestival folgende Geschichte des israelischen Schriftstellers Amos Oz gehört, die ich zum Abschluss noch erzählen muss:

Stell dir vor, es bricht in einem Haus ein Feuer aus, das sehr schnell um sich greift. Als Zeuge einer solch großen Katastrophe kannst du auf drei verschiedene Arten reagieren: 1. Du kannst um dein Leben rennen und diejenigen, die nicht rennen können, ihrem Schicksal überlassen. 2. Du kannst der Redaktion deiner Zeitung einen wütenden Brief schreiben und fordern, dass diejenigen, die für die Brandsicherung verantwortlich sind, zur Rechenschaft gezogen werden; oder alternativ könntest du vielleicht eine Demonstration für bessere Brandsicherheitsbestimmungen organisieren. 3. Du könntest aber auch versuchen, das Feuer mit einem Eimer Wasser zu löschen. Und wenn du keinen Eimer hast, nimmst du ein Glas. Und wenn du kein Glas hast, nimmst du einen Teelöffel. Jeder hat einen Teelöffel. (zitiert nach http://www.theelepeltje.nl)

 

Ja, wir Menschen können als Einzelne den „Großbränden“ dieser Welt oft nur Schritt für Schritt begegnen, ein Teelöffel ist dennoch ein Anfang. Im Hope of Good Hope sind es die vielen Suppenlöffel, die täglich einen entscheidenden Unterschied machen können.

 

Besuch Suppenküche

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