20
Dez

Dr. Clemens & das Straßenkinderprojekt, Teil II

Hier nun also der zweite Teil des seltenen Besuchs. Danke an dieser Stelle auch an Manuela Strehlein für die Bilder und den Text!

Part Two... Austrian Doctor meets Kampala Streetkids

Neugierige Kinderaugen blicken durch das von Eisenstreben vergitterte Fenster des Untersuchungsraumes, der eigentlich als Ess- und Gemeinschaftsraum für die 35 Kinder und Jugendlichen, die im "Home of Jerusalem" wohnen, dient. Die Kinder sitzen oder liegen zur Untersuchung auf einer der hölzernen Bänke, der Boden ist blankgeputzt, an den hellgrün gestrichenen Wänden hängen "medizini" Poster aus Deutschland, die Tiere wie Insekten oder Rehe zeigen. Dazwischen auf Holz gemalte Kinderzeichnungen aus dem afrikanischen Alltag. Vor dem Eingang trocknen mindestens 20 Paar frisch geschrubbte Schuhe. Im Hinterhof, gleich neben dem Hühnerstall, trocknet auf den Leinen jede Menge sauberer Schulkleidung. Es ist ein Samstag und alle Kinder und Jugendlichen sind selbst verantwortlich für ihre eigene Sauberkeit und das Waschen der Kleidung. Hygiene ist ein großes Gebot im Home, das haben die Kinder, die sich an die Regeln halten, um bleiben zu können, längst begriffen.

Schulkleidung.
Der Hühnerstall im Hinterhof.
"Muzungu Doctor" Clemens mit einem seiner kleinen Patienten.

Auch für Clemens wird sofort sauberes kaltes Wasser zum Waschen der Hände bereitgestellt, das er als "(n)ice cold water" lobt, kenne er doch aus Tansania, wo er seit Juni an sechs Tagen die Woche als Arzt arbeitet, vor allem sonnenerwärmtes warmes Wasser. Immer wieder wäscht er sich zwischen den Untersuchungen damit die Hände, da er den Kindern und Jugendlichen durch seine ganz eigene zugewandte Art sie zu untersuchen sehr nahe kommt. Die Kleinen dürfen sein Stethoskop betasten, bevor er sie damit berührt, in einem Fall übernimmt Moses die Handhabung des Stethoskopendes, weil der kleine Junge zu große Angst vor dem weißen Arzt hat. Clemens arbeitet konzentriert und liebevoll mit den Kindern und man spürt, dass er auch mit dem Herzen ganz bei ihnen ist. Trotzdem liegen sie meist angespannt und steif vor ihm auf der Bank, kneten nervös ihre Taschentücher oder sprechen so leise, dass man ihr Flüstern kaum verstehen kann. Draußen toben die schon untersuchten Kinder mit ihren Lollies in der Hand stolz über den Hof und spielen mit dem Wenigen, das sie haben.

Der Arzt stellt geduldig Diagnose um Diagnose, für viele Kinder wird jedoch eine medikamentöse Behandlung oder weitere Untersuchung, wie z.B ein Bluttest, ein Besuch beim Augenarzt oder beim HNO Arzt oder eine Röntgenuntersuchung nötig sein, um abzuklären, was die Ursachen für ihre teilweise schon mehrjährige Leiden sind. Auch der Junge, der Nachts wie ein Löwe brüllt, wenn er hustet, sollte sich einer Lungenröntgenuntersuchung und einem Tuberkulosetest unterziehen, um eine weitere Behandlung festlegen zu können. Clemens Besuch war ein erster wichtiger Schritt und hat dem Projekt eine Menge Arztkosten gespart, trotzdem ist die medizinische Versorgung damit sicher nicht abgeschlossen, auch wenn am Ende alle vergnügt und erleichtert gemeinsam im nun sonnendurchfluteten Hof "Blinde Kuh" spielen oder Karins blaue Gummihandschuhe als Luftballon aufgeblasen durch die Luft wirbeln.

In aller Kürze - was Dr. Clemens herausgefunden hat:

1 x Verdacht auf Typhus, 1 x Verdacht auf Malaria, 4 x Verdacht auf TBC, 1 x Verformung der Wirbelsäule, 3 x Pilzinfektionen, 1 x hohes Fieber, 1 x Wurmtest, 2 x Bluttest Leberwerte, 3 x starke Erkältung/HNO, 1 x entzündeter Zahn/Zahnarzt, 1 x Fehlsichtigkeit/Augenarzt.

Dr. Clemens Mader bei einer Untersuchung.

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